Aufgepusht und abgebrannt – Frohe Weihnachten
Die Gleichberechtigung hat nun definitiv Einzug gehalten. Neu gibt es den Wonderbra für den Mann. Mein gegenwärtiger Lieblings Unter- und Badewäschehersteller aussiebum hat diesen Herbst das Push-Up-Ding für den Herrn auf den Markt gebracht. Den Wonderjocke. Size does matters, das wussten wir alle jedoch schon viel länger.
Apropos Nüsse. Wir steuern unaufhaltsam dem Höhepunkt der Weihnachtszeit entgegen. Ungebremst rasen die Christbäume und Migros Lichterketten an uns vorbei und machen uns wieder einmal – wie alle Jahre um diese Zeit – darauf aufmerksam, dass ein Jahr zu Ende geht und wir unseren Liebsten etwas schenken dürfen.
Auch wenn ich ein absoluter Fan von Konsum bin und den Kaufrausch in einer Petition als obligatorisch unterstützen würde, habe ich doch eine sehr romantische Vorstellung von Weihnachten. Nicht wie die Drei Könige, die im übrigen viel zu spät zu der ganzen Bescherung erschienen sind, schenke ich meinen Nächsten keine Sachen aus Gold, Weihrauch oder Myrrhe – was auch immer das ist. Nein, ich bevorzuge etwas selbst Gemachtes. Schon seit geraumer Zeit versuche ich meinen Geschenken jeweils einem Thema zu zuordnen; letztes Jahr war der Marzipan der Schirmherr meiner leckeren Gaben. Dieses Jahr sollte es der Karamell sein. Süsse „Nidletäfel“ und gebrannte Mandeln hätte es geben sollen. Doch irgendwie hat mich der gute Glauben verlassen, als ich mich in meiner Küche ans christliche Werk gemacht habe. Zuerst versuchte ich mich an den Leckereien aus Rahm und Zucker. Nach stundenlangem rühren, einkochen und karamellisieren des Zuckers im Rahm, habe ich eine Brühe bekommen die mich sehr stark an Käsefondue erinnert hat. Zähflüssig und klebrig, eigentlich genau so wie ich es mir vorgestellt hatte. Nun stellte sich aber die Frage, wie ich diese Masse in zirka 1cm hohe Rhomben verwandeln kann. Sämtliche Bemühungen haben nichts gebracht und schlussendlich hat die Masse wie erbrochenes Raclette mit Zwiebelstückchen darin ausgesehen, unzumutbar als Weihnachtsgeschenk. Wäre Jesus nicht auferstanden, hätte er sich in seinem Grab gedreht.
Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man so schön und genau mit dieser Einstellung machte ich mich ans Werk bei den gebrannten Mandeln. Den Sonntag davor habe ich Stunden damit zugebracht, im Internet über die Machart der Süssigkeiten zu recherchieren. Doch gehapert hat es trotzdem. „Den Zucker mit 1/8 Wasser vermischen und aufkochen, die Mandeln dazugeben und weiterkochen bis der Zucker trocken ist.“ Und genau das war das Problem. Ich habe den Zucker gekocht, bis er trocken war. Aber das Gebilde, das mir aus der Pfanne mit beissendem Rauch entgegen starrte, war deutlich näher an einem Strassenbelag, als an gebrannten Mandeln. Jedenfalls habe ich die Sorge verloren, was passieren könnte, wenn die fossilen Brennstoffe ausgehen. Zucker-Bricket-Heizungen, das ist der Zukunftstrend.
Ich habe mich dafür entschieden, mich doch dem Konsum hin zu geben, mich liebevoll von ihm fesseln zu lassen und es wie die Drei Könige zu machen. Pushen wir das ganze auf, wunderbar überproportional. Geschenkideen für den Liebsten auf aussiebum.com.
Frohe Weihnachten!

